Das multiple Myelom

Diagnostik

Definitionsgemäß besteht ein Smoldering multiples Myelom oder ein multiples Myelom, wenn im Knochenmark 10 % oder mehr monoklonale Plasmazellen nachgewiesen werden.

Die diagnostische Untersuchung erfolgt in Form einer Knochenmarkpunktion unter lokaler Betäubung meist am Beckenkamm oder am Brustbein.

Anmerkung: Selten gibt es auch Erkrankungen, bei denen die polyklonalen (also die gesunden) Plasmazellen im Knochenmark reaktiv erhöht sind. Die Unterscheidung zwischen monoklonalen und polyklonalen Plasmazellen erfolgt durch bestimmte Färbungen des Knochenmarks im Labor.

Das (therapiepflichtige) multiple Myelom unterscheidet sich vom Smoldering multiplen Myelom durch folgende Kriterien, die durch bestimmte Grenzwerte definiert werden:

  1. Nachweis einer Anämie (Blutarmut)
    Diagnostische Untersuchung: Blutbild durch Blutentnahme
  2. Knochenschädigung mit Osteolysen
    Diagnostische Untersuchung: konventioneller Röntgenskelettstatus (eher veraltet), (Ganzkörper-) Computertomographie
  3. Nierenschädigung
    Diagnostische Untersuchung: Kreatininwert im Blut durch Blutentnahme und/ oder Kreatinin-Clearance im 24-Stunden Sammelurin
  4. Hyperkalzämie
    Diagnostische Untersuchung: Kalziumwert im Blut durch Blutentnahme
  5. Erhöhung der freien Leichtketten im Serum über eine bestimmte Grenze (> 100mg/l und Quotient der betroffenen zur nicht betroffenen Leichtkette von > 100)
    Diagnostische Untersuchung: Test der freien Leichtketten im Blut durch Blutentnahme
    Anmerkung: Bei über längere Zeit gleichbleibend erhöhten freien Leichtketten im Blut kann Ihr Arzt entscheiden, dass noch keine Therapie erforderlich ist.
  6. Nachweis von 60 % oder mehr monoklonalen Plasmazellen im Knochenmark
    Diagnostische Untersuchung: Knochenmarkpunktion
  7. Nachweis von mehr als einer fokalen Läsion (Ansammlung von Plasmazellen) in der Kernspintomographie (= Magnetresonanztomographie)
    Diagnostische Untersuchung: Kernspintomographie zumindest von der Wirbelsäule, wenn möglich vom ganzen Körper

Anmerkung: Bei unklaren Befunden oder gleichbleibenden Befunden kann Ihr Arzt entscheiden, Sie noch nicht zu behandeln.

Stadieneinteilung nach Durie und Salmon

Diese Einteilung findet zwar noch Verwendung, hat aber nur noch bedingt Einfluss auf die Therapieentscheidung.

  • Stadium I: Charakterisiert durch weitgehend fehlende Organschädigung und niedrige Werte des monoklonalen Eiweißes (= der monoklonalen Proteine, M-Proteine) in Blut und Urin
  • Stadium II: Weder die Kriterien für Stadium I noch III sind erfüllt
  • Stadium III: Charakterisiert durch Nachweis von Organschädigungen (siehe Symptome)

Das Ausmaß der Nierenschädigung wird mit „A“ (für normale Nierenfunktion) beziehungsweise „B“ (für eingeschränkte Nierenfunktion) bezeichnet.

Stadien Kriterien
Stadium I
(A/B)
Hämoglobin: höher als 10 g/dl
Kalzium im Serum: normale Werte (2,20-2,65 mmol/l)
Knochenstruktur: normal
Röntgen: eine einzelne Läsion nachweisbar
oder
IgG: kleiner als 50 g/l
IgA: kleiner als 30 g/l
Bence-Jones-Protein im Urin:
niedriger als 4 g in 24 Stunden
Stadium II
(A/B)
Blut- und Urinwerte können weder Stadium I noch Stadium III zugeordnet werden
Stadium III
(A/B)
Hämoglobin: Niedriger als 8,5 g/dl
Kalzium im Serum: erhöhte Wene (> 2,65 mmol/l)
Knochenstruktur: auffällig
Röntgen: vermehrte Läsionen nachweisbar
und/oder
IgG: höher als 70 g/l
IgA: höher als 50 g/l
Bence-Jones-Protein im Urin: höher als 12 g in 24 Stunden

Untersuchungen zur Verlaufskontrolle:

Die Verlaufskontrolle sollte durch einen Hämatologen erfolgen. Es erfolgen meist nur Blut- und Urinuntersuchungen zur Kontrolle der Höhe und des Verlaufs des monoklonalen Eiweißes (M-Proteins) bzw. der Leichtketten. Bei Hinweis auf einen Anstieg sollten dann weitere Untersuchungen wie Bildgebung und Knochenmarkpunktion durchgeführt werden. Leider sind die Grenzen für die Entscheidung zu weiterführender Diagnostik relativ fließend und Ihr Arzt wird jeweils mit Ihnen gemeinsam entscheiden, wann weitere Untersuchungen und insbesondere eine (weitere) Therapie notwendig sind.