Das multiple Myelom

Prognose

Das multiple Myelom gilt nach heutigem Wissensstand für einen Großteil der Patienten als nicht heilbar. Allerdings kann man als Patient aufgrund von weitreichenden Fortschritten in der Therapie der Erkrankung lange Zeit zum größten Teil auch mit guter Lebensqualität mit der Diagnose multiples Myelom leben.

Die Prognose, also eine medizinisch begründete Vorhersage zur Entwicklung des Krankheitsverlaufs und der Dauer des Überlebens, ist beim multiplen Myelom kaum möglich und von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Die Angabe einer genauen zu erwartenden Zeitspanne ist unseriös.

Verschiedene Faktoren spielen hierbei eine Rolle: das Alter bei Krankheitsbeginn, die körperliche Verfassung, das Ausmaß von Begleiterkrankungen, das Auftreten von Symptomen und Komplikationen, das Ansprechen auf die Behandlungsmaßnahmen, etc.

Durch großangelegte Vergleichsstudien wurden verschiedene Faktoren identifiziert, die eher günstig oder ungünstig für den weiteren Krankheitsverlauf sind. Dabei muss aber beachtet werden, dass es sich dabei um rein statistische Daten handelt und auch ein Hochrisikopatient lange und leider auch ein Niedrigrisikopatient im ungünstigen Fall nur kurz überleben kann.

Gut etablierte Prognosekriterien sind die Folgenden:

Internationales Staging-System (ISS)

Beim ISS werden lediglich zwei Eiweißwerte im Blut – das ß2-Mikroglobulin und das Albumin – zur Stadieneinteilung herangezogen.

ß2-(gesprochen: Beta-2) Mikroglobulin ist ein Eiweißstoff, der sich auf der Zelloberfläche fast aller Zellen des menschlichen Körpers befindet. Eine Erhöhung im Blut wird unter anderem durch bösartige Erkrankungen verursacht. Dieser Wert hat als sogenannter Tumormarker eine wichtige Aussagekraft für die Prognose des multiplen Myeloms. Albumin ist ein lösliches Protein des Blutplasmas und strukturell mit ß2-Mikroglobulin verwandt. Werte unterhalb der Norm können unter anderem auf einen Tumor hinweisen.

Es gilt: Je höher der Wert des ß2-Mikroglobulins und je niedriger der Wert des Albumins im Blut, um so fortgeschrittener ist das Krankheitsstadium.

Stadien Kriterien
Stadium I ß2-Mikroglobulin: niedriger als 3,5 mg/l
und
Albumin: 35 g/l oder höher
Stadium II ß2-Mikroglobulin: niedriger als 3,5 mg/l
und
Albumin: niedriger als 35 g/l
oder
ß2-Mikroglobulin: 3,5 bis 5,4 mg/l
Stadium III ß2-Mikroglobulin: 5,5 mg/l oder höher

Interphase Fluoreszenz in situ Hybridisierung (iFISH)

Bei der Zellteilung werden die 46 Chromosomen einer Zelle (enthalten die Erbinformation) auf beide Tochterzellen aufgeteilt. Dabei kann insbesondere bei bösartigen Zellen, die sich meist schnell teilen, eine falsche Aufteilung der Chromosomen auftreten. Durch die iFISH können diese Fehler sichtbar gemacht werden. Empirische (an großen Patientenzahlen, meist rückblickend durchgeführte) wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass insbesondere ein Verlust eines bestimmten Chromosomenteils (Deletion 17p), aber auch manche Übertragungen von einem Teil eines Chromosoms auf ein anderes (Translokation, z.B. t (4;14)), sowie ein Zugewinn bei einem bestimmten Chromosom (1q21) rein statistisch betrachtet mit einer eher ungünstigen Prognose einhergehen können.

Einen Einfluss auf die Therapie haben diese Veränderungen der Erbinformation derzeit in der Regel noch nicht. Allerdings wurde in einer relativ großen Studie gezeigt, dass Patienten mit einer Deletion 17p von einer Erhaltungstherapie mit Bortezomib (siehe Therapie) profitieren können.