Die Therapie

Behandlung von Begleiterkrankungen und Krankheitssymptomen

Beim multiplen Myelom kommt es häufig zu verschiedenen Begleiterkrankungen. So bilden die Plasmazellen beispielsweise auch Stoffe, die einen übermäßigen Knochenabbau fördern. Vor allem im Bereich der Wirbelsäule, des Beckens, der Rippen und des Schädels kann das Knochengewebe aufweichen. Die Folge sind Schmerzen und eine erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche. Eine mögliche Komplikation ist die Kompression des Rückenmarks, die umgehend ärztlich behandelt werden muss. Die mit der Knochenerweichung einhergehende Freisetzung von Kalzium und Phosphat in die Blutbahn kann zudem zu einer erhöhten Konzentration von Kalzium im Blut (Hyperkalzämie) und darüber hinaus zu einer Einschränkung der Nierenfunktion führen. Weitere mögliche Folgen des multiplen Myeloms sind Bluthochdruck und eine durch Müdigkeit und Leistungsabfall gekennzeichnete „Blutarmut“ (Anämie). Außerdem führt das geschwächte Immunsystem zu einer gesteigerten Anfälligkeit für Infekte, die – vor allem in Zusammenhang mit Fieber – einen sofortigen Arztbesuch erforderlich macht. Es ist wichtig zu wissen, dass es eine Vielzahl von medikamentösen Optionen gibt, mit denen die Symptome der Begleiterkrankungen effektiv behandelt werden können.

Die beim multiplen Myelom vorliegende Knochenerweichung geht mit Schmerzen einher und führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Knochenbrüche (Frakturen). Eine gefürchtete Komplikation der Knochenerweichung im Bereich der Wirbelkörper ist eine Quetschung des Rückenmarks. Zu den Symptomen gehören beispielsweise Sensibilitätsstörungen in den Beinen, Blasenentleerungsstörungen oder Inkontinenz – allesamt Anzeichen, die einer sofortigen ärztlichen Behandlung bedürfen.

Chirurgische Therapie
Patienten mit Knochenbrüchen infolge von Osteolysen (aktive Auflösung bzw. Resorption von Knochengewebe) durch das multiple Myelom bedürfen unfallchirurgischer oder neurochirurgischer Behandlung. Häufig können operative Eingriffe die Symptome mildern und die verlorene Stabilität der geschädigten Knochen (Wirbelsäule, Oberarme, Oberschenkel) wiederherstellen. Die operative Therapie umfasst z. B. die Kyphoplastie (gebrochene oder poröse Wirbel werden mittels einer Injektion von flüssigem Knochenzement stabilisiert) aber auch etwas komplexere operative Eingriffe wie die Stabilisierung der Knochen mittels Osteosynthesen (Verfahren zur Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit gebrochener Knochen).

Ergänzende Maßnahmen
Um die Mineralisierung, also die Bildung von Kalzium und Phosphat in den Knochen zu fördern, spielt Bewegung eine bedeutende Rolle. Patienten sollten, soweit möglich, nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt selbst einen Beitrag leisten, beispielsweise mit Spaziergängen oder Schwimmen. Physiotherapeutische Maßnahmen können ebenso helfen, dem Knochenschwund entgegenzuwirken.

Medikamentös werden häufig auch sogenannte Bisphosphonate eingesetzt – eine Klasse von Medikamenten, die dazu beitragen können, die Knochendichte und damit die Festigkeit des Knochengewebes zu erhöhen. Wenn Wirbelkörper verformt oder eingesunken sind, kann auch ein Korsett helfen. Dieses wird von Spezialisten individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert.

Der Knochenauf- bzw. -abbau ist bei Myelompatienten oftmals gestört, was unter anderem zu einem erhöhten Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzamie) führen kann. Diese Hyperkalzämie kann mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit einhergehen. Doch nicht immer macht eine Hyperkalzämie durch Symptome auf sich aufmerksam. Dennoch sollte eine laborchemisch diagnostizierte Hyperkalzämie zum Beispiel mit Infusionen oder der Gabe von Bisphosphonaten korrigiert werden, da bei deutlich erhöhten Kalziumwerten („hyperkalzämische Krise“) schwerwiegende Symptome wie Verwirrtheit, Koma oder Herzrhythmusstörungen auftreten können.

Die sogenannte Cast-Nephropathie (Nierenfunktionsstörung durch Leichtketten = Bruchstücke von Antikörpern) stellt die häufigste Ursache einer Nierenfunktionsstörung beim multiplen Myelom dar. Dabei kommt es zu einem krankheitsbedingten sehr hohen Anfall dieser Bruchstücke im Blutserum, die auch unter normalen Bedingungen – allerdings in geringem Umfang – von Plasmazellen produziert und in der Niere verarbeitet werden. Die Kapazität der Niere, diese Leichtketten auszuscheiden, ist bald erschöpft und zusammen mit einem anderen Protein, das der Infektabwehr dient, kommt es zur Verklumpung der Leichtketten, sogenannte „Casts“ entstehen. Dadurch werden die Nierenkanälchen verstopft und dies führt zum Untergang von Nierenzellen und in weiterer Folge zu einer Vernarbung (Fibrose). Die zweithäufigste Ursache für Nierenfunktionsstörungen ist die Hyperkalzämie. Sie führt zur Verengung der Nierengefäße sowie einer verminderten Konzentrationsfähigkeit der Niere und zu einer gesteigerten Harnproduktion. Dadurch wird eine Austrocknung und Übersäuerung begünstigt, was zur weiteren Einschränkung der Nierenfunktion führen kann.

Liegt die Ursache einer Nierenfunktionsstörung in der durch die schädlichen Leichtketten verursachten Cast-Nephropathie, ist ein rascher Therapiebeginn wichtig, um die Nierenfunktion wiederherzustellen. Grundsätzlich ist die Therapie bei eingeschränkter Nierenfunktion mit den gleichen Substanzen und Substanzkombinationen sowie mit einer Hochdosistherapie möglich. Allerdings müssen häufig Dosisanpassungen, auch in der Begleittherapie, berücksichtigt werden. Zudem muss eine engmaschige Überwachung zur frühzeitigen Erkennung von Komplikationen gewährleistet sein.

Eine Verminderung der freien Leichtketten ist außerdem durch maschinelle „Blutwäsche“-Verfahren (Dialyse) möglich. Diese können als Ergänzung zur Chemotherapie angewendet werden.

Ein durch ein multiples Myelom bedingter Bluthochdruck – ausgelöst durch die hohen Mengen an Paraproteinen (funktionslose Antikörper), die von den Plasmazellen produziert werden – kann mittels Chemotherapie oder Blutplasmaaustausch (auch Plasmapherese genannt) behandelt werden.

Die Chemotherapie soll die Anzahl der entarteten Plasmazellen reduzieren und damit die hohe Menge an Paraproteinen, die den Bluthochdruck verursachen, verringern. Unter einem Blutplasmaaustausch versteht man den Ersatz des Blutplasmas durch Lösungen, die das körpereigene Plasma simulieren. Mithilfe dieses Verfahrens gelingt es ebenfalls, die krankhaft erhöhte Proteinkonzentration, die für die Viskositätssteigerung – unter Viskosität versteht man die Zähigkeit einer Flüssigkeit – und den daraus resultierenden Bluthochdruck verantwortlich sind, herabzusetzen.

Etwa zwei Drittel aller Patienten mit multiplem Myelom leiden mit unterschiedlicher Ausprägung unter einer Anämie (umgangssprachlich: „Blutarmut“). Dabei handelt es sich um eine Verminderung der roten Blutzellen (Erythrozyten).

Eine Anämie macht sich in Form von Abgeschlagenheit, großer Müdigkeit und Erschöpfung bemerkbar – Symptome, die in der Fachsprache häufig zusammengefasst als Fatigue bezeichnet werden. Bei schweren Formen können Bluttransfusionen Abhilfe schaffen. Bei anderen Patienten, vor allem solchen mit Nierenfunktionsstörungen, kann eine Erythropoetin-Behandlung sinnvoll sein.

Das Hormon Erythropoetin wird zu einem Großteil in der Niere gebildet und fördert die Bildung und Reifung roter Blutzellen im Knochenmark. Menschen mit Nierenfunktionsstörungen leiden daher häufig unter einem Mangel an Erythropoetin. Ihnen muss das Hormon in Form von Injektionen zugeführt werden.

Patienten mit einem multiplen Myelom sind durch ein geschwächtes Immunsystem vermehrt anfällig für Angriffe von Bakterien und Viren. Prinzipiell „harmlose“ Infektionen können zu Komplikationen mit möglicherweise lebensbedrohlichem Charakter führen. Eine frühzeitig einsetzende oder auch vorbeugende Behandlung mit beispielsweise Antibiotika kann dies wirkungsvoll bekämpfen. Daher sollten Patienten mit einem multiplen Myelom bereits bei den ersten Anzeichen einer Infektion – vor allem bei Fieber – sofort einen Arzt aufsuchen. Die jährliche Impfung gegen Grippe (Influenza) sowie weitere Schutzimpfungen sollten in Betracht gezogen werden.