Leben mit multiplem Myelom

Arbeit und Soziales

Soziale Hilfestellungen

Patienten mit chronischen Erkrankungen wie dem multiplen Myelom sind in ihrer Lebensqualität und Leistungsfähigkeit häufig eingeschränkt. Für diese Menschen stehen zahlreiche Sozialleistungen zur Verfügung, die dazu dienen, krankheitsbedingte Mängel mit finanziellen oder praktischen Hilfen auszugleichen. Bei den folgenden Informationen handelt es sich lediglich um eine beispielhafte Auswahl der sozialen Leistungen und Maßnahmen, die im Krankheitsfall als wichtige Hilfestellung dienen können.

Zuzahlung und Belastungsgrenze1

Jeder erwachsene Versicherte hat Zuzahlungen als Beteiligung an den Behandlungskosten zu leisten. Allerdings gibt es für diese Zuzahlungen eine Belastungsgrenze pro Kalenderjahr, um niemanden finanziell übermäßig zu beanspruchen. Wird diese Belastungsgrenze innerhalb eines Kalenderjahres erreicht, können sich Patienten durch ihre Krankenkasse von weiteren Zuzahlungen befreien lassen.

Die Belastungsgrenze beträgt prinzipiell zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen aller im Haushalt lebenden Angehörigen. Für chronisch kranke Menschen beträgt sie lediglich ein Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen. Als schwerwiegend chronisch krank gilt, wer einmal pro Quartal über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr ärztlich behandelt wurde. Zudem muss eines der folgenden Kriterien zutreffen:

  • Schwerbehinderung oder Erwerbsminderung von 60 Prozent oder mehr
  • Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3
  • Der Patient muss aus Sicht des Arztes dauerhaft medizinisch versorgt werden, da sich sonst seine Krankheit lebensbedrohlich verschlimmert, seine Lebenserwartung gemindert oder seine Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt wird

Weitere Informationen dazu erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse.

Krankentransporte2

Prinzipiell werden die Fahrtkosten von den Krankenkassen nur übernommen bei:

  • Leistungen, die stationär erbracht werden,
  • Rettungsfahrten zum Krankenhaus (auch ohne stationäre Behandlung),
  • Krankentransporten mit aus medizinischen Gründen notwendiger fachlicher Betreuung oder in einem Krankenwagen,
  • Fahrten zu einer ambulanten Behandlung sowie bei Fahrten zu einer vor- oder nachstationären Behandlung oder einer ambulanten Operation im Krankenhaus, wenn dadurch eine an sich gebotene stationäre oder teilstationäre Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird.

Krankentransporte zu ambulanten Behandlungen sind grundsätzlich zuzahlungspflichtig und der Versicherte muss sich diese auf jeden Fall von seiner Krankenkasse vorher genehmigen lassen. Für genehmigte Transporte gelten folgende Zuzahlungsregelungen: zehn Prozent, aber höchstens zehn Euro und mindestens fünf Euro pro Fahrt, allerdings nie mehr als die tatsächlich entstandenen Kosten.

In einigen Ausnahmefällen können allerdings auch die Kosten für Transporte zur ambulanten Behandlung voll übernommen werden. Das betrifft beispielsweise die Fahrten zur Strahlen- oder Chemotherapie sowie zu einer ambulanten Dialysebehandlung. Darüber hinaus können Fahrten zur ambulanten Behandlung für Versicherte verordnet und genehmigt werden, wenn die Fahrt aus medizinisch zwingenden Gründen notwendig und eine dauerhafte Einschränkung der Mobilität vorliegt, so dass die Nutzung eines Pkws oder öffentlicher Verkehrsmittel nicht möglich ist. Dies trifft auf Versicherte zu, die über einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen “aG“ (außergewöhnliche Gehbehinderung), “Bl“ (blind) oder “H“ (hilflos)“ verfügen oder die Pflegebedürftigkeit der Pflegegrade 3, 4 oder 5 vorliegt. Bei Personen mit Pflegegrad 3 muss zusätzlich die dauerhafte Mobilitätsbeeinträchtigung ärztlich festgestellt und bescheinigt werden.

Für individuelle Auskünfte und Informationen über weitere Ausnahmefälle wenden Sie sich bitte an Ihre zuständige Krankenkasse.

Schwerbehindertenausweis

Es besteht die Möglichkeit, beim zuständigen Versorgungsamt (eine Übersicht über die jeweils zuständigen Versorgungsämter findet sich auf der Internetseite: www.integrationsaemter.de) einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen3, der bestimmte Rechte, Vergünstigungen und steuerliche Vorteile bietet.4 Der Grad der Behinderung wird durch das Versorgungsamt nach bundesweit einheitlichen Maßstäben festgelegt.Informationen zu Voraussetzungen und Leistungen dazu finden sich beispielsweise im Webportal „einfach teilhaben“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unter der Adresse www.einfach-teilhaben.de.

Rehabilitation6,7

Nach Abschluss der Erstbehandlung haben sowohl gesetzlich als auch privat versicherte Patienten die Möglichkeit einer Rehabilitation. Diese soll dazu dienen, die körperlichen und seelischen Kräfte zu stabilisieren, das Allgemeinbefinden zu verbessern und somit die Wiederaufnahme des alltäglichen Lebens und der (möglichen) Berufstätigkeit zu erleichtern.

Bei gesetzlich versicherten Patienten werden Rehabilitationsmaßnahmen möglichst gleich an die letzte Therapie angeschlossen, als sogenannte Anschlussrehabilitation oder Anschlussheilbehandlung (AHB). Ist eine Reha-Maßnahme direkt nach der ersten Behandlung jedoch nicht möglich, kann sie auch später – allerdings innerhalb des ersten Jahres nach Abschluss der Erstbehandlung – in Anspruch genommen werden.

Die Anschlussrehabilitation findet üblicherweise direkt oder mit nur wenigen Tagen Unterbrechung an die eigentliche Krebsbehandlung stationär in einer besonders dafür qualifizierten Rehabilitationsklinik statt. Der Aufenthalt dauert meist drei Wochen, ist allerdings bei besonderem Bedarf auch verlängerbar. Eine Alternative stellen ambulante Reha-Einrichtungen dar. Sie arbeiten meist als Tagesklinik, in die der Patient morgens zur Behandlung kommt und bis in den späten Nachmittag umfassend betreut wird.

Stationär behandelte Patienten erhalten bereits im Krankenhaus durch die Mitarbeiter der Kliniksozialdienste detaillierte und individuelle Informationen über mögliche Rehabilitationsmaßnahmen. Als Anlaufstellen für in ambulanter Behandlung befindliche Betroffene stehen sowohl der behandelnde Arzt, Beratungsdienste der Krankenkassen und der Rentenversicherung sowie die regionalen Reha-Servicestellen zur Verfügung.

Die Kosten für die medizinischen Rehabilitationsmaßnahmen werden je nach der individuellen Versicherungssituation von unterschiedlichen Leistungsträgern übernommen, wie beispielsweise der gesetzlichen Rentenversicherung oder der gesetzlichen bzw. privaten Krankenversicherung.

Auf Patienten kann jedoch ein gewisser Eigenanteil als Zuzahlung zukommen. Details klären Sie am besten direkt mit den jeweiligen Kostenträgern.

Wiedereinstieg in den Beruf

Welchen Einfluss die Erkrankung und die damit verbundene Therapie auf die berufliche Situation haben werden, ist für viele Betroffene eine belastende Frage. Daher ist es wichtig, sich mit diesem Thema frühzeitig zu beschäftigen.

Vielen Patienten ist es wichtig, so bald wie möglich wieder berufstätig zu sein. Sogenannte „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ oder eine „berufliche Rehabilitation“ sollen sie bei der Wiedereingliederung in Beruf und Gesellschaft unterstützen. Diese Leistungen betreffen unter anderem eine berufliche Aus- und Weiterbildung, das Erlernen eines neuen Berufs sowie die Erstattung von Kosten an den Arbeitgeber, die durch die Beschäftigung des Erkrankten entstandenen sind.8

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, der Bundesagentur für Arbeit oder Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.