Leben mit multiplem Myelom

Seelische Belastungen

Die Diagnose „multiples Myelom“ löst bei jedem Menschen Gefühle der Angst, Unsicherheit und Verzweiflung aus.16

Die Erscheinungsformen der seelischen Verarbeitungsprozesse sind vielfältig und individuell unterschiedlich – dennoch folgen sie einem bestimmten Muster.16 So stehen in der Anfangsphase meist Verleugnung und Verdrängung im Vordergrund der psychischen Auseinandersetzung mit dem Krankheitsgeschehen.16

Auch sind in der Folge häufige Stimmungsschwankungen in unterschiedlichen Ausprägungen sowie Angststörungen und Depressionen möglich.16,17

Diese psychischen Begleiterscheinungen sind oftmals schwer zu ertragen und stellen eine unglaubliche Belastung für den Betroffenen dar.17 Aber: Im Rahmen der Krebsdiagnose ist die „Achterbahnfahrt“ der Gefühle eine absolut normale Reaktion auf die bedrohliche Situation.16

Krebspatienten steht für die Krankheitsbewältigung ein breit gefächertes Spektrum an psychosozialen Hilfsangeboten zur Verfügung.17 Auch das Gespräch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe hat sich vielfach als hilfreich erwiesen.17

Schuldgefühle – fehl am Platz16

Einige Betroffene empfinden Schuldgefühle und stellen sich die Frage, ob die Krebserkrankung die Konsequenz einer „falschen“ Lebensweise oder eines Fehlverhaltens in der Vergangenheit sein könnte. Solche Gedanken sind in dem Bemühen, die Krankheitsentstehung zu begreifen, verständlich – aber sie sind unbegründet, kontraproduktiv und rauben wertvolle Energie, die Sie als Patient für die Bekämpfung des multiplen Myeloms benötigen.

Ein offenes Gespräch über diese (unbegründeten) Schuldgefühle mit der Familie oder Freunden, aber auch mit dem behandelnden Arzt oder einem Psychologen kann eine enorme Erleichterung verschaffen.

Professionelle Anlaufstellen

Es gibt zahlreiche Institutionen mit psychoonkologisch ausgebildeten Mitarbeitern sowie niedergelassene Psychotherapeuten, deren Beratungs- und Betreuungsangebote gezielt auf die Fragestellungen und Bedürfnisse krebskranker Menschen ausgerichtet sind.17 Adressen von Beratungsstellen und therapeutischen Praxen in Ihrer Region erhalten Sie im Krankenhaus, von Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Krankenkasse sowie auf der Webseite des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Selbsthilfegruppen

Viele Menschen profitieren vom Miteinander in einer Selbsthilfegruppe. Ein wesentliches Prinzip ist hier der Austausch von Erfahrungen. Ratschläge lassen sich viel leichter auf die eigene Lebenssituation übertragen, wenn sie von Menschen vermittelt werden, die sich authentisch in die persönliche Lage einfühlen können.

Positive Effekte, über die Teilnehmer von Selbsthilfegruppen berichten:

  • Gesteigertes seelisches und körperliches Wohlbefinden
  • Bessere Akzeptanz der Erkrankung
  • Bessere Bewältigung von Problemen, die mit der Krankheit verbunden sind
  • Erhöhtes Selbstvertrauen
  • Vermehrte soziale Kontakte

Eine Liste von Selbsthilfegruppen und Patientenverbänden finden Sie hier.

Was können Sie selbst für Ihr psychisches Wohlbefinden tun?

Eine Krebserkrankung bewirkt nach der Schockphase häufig auch eine Neuorientierung hinsichtlich der Lebensweise und bisheriger Wertmaßstäbe. Jede Krankheit kann auch als Chance verstanden werden, sich selbst mit mehr Achtsamkeit zu begegnen.

Tun Sie vermehrt Dinge, die Ihnen Freude bereiten. Folgen Sie Ihren Bedürfnissen und Ideen. Ob Sie eine Reise machen oder Hobbys nachgehen, Kontakte pflegen, Talente entdecken, Entspannungskurse besuchen oder sich ein Wellness-Wochenende gönnen – schaffen Sie sich kleine Oasen im Alltag. Quellen, aus denen Sie Kraft und Zuversicht schöpfen.

Bringen Sie sich Verständnis entgegen, lernen Sie den Wert kleiner Erfolge zu schätzen. Vermeiden Sie es, sich unter Druck zu setzen. Sich den neuen Aufgaben zu stellen und die veränderten Lebensumstände anzunehmen, erfordert Mut, Geduld – und viel Zeit.